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SPA Geschichte / 1980 / M.Ziegler: Hommage

Der «Skulpturenplatz» in Biel — Hommage an Hans Aeschbacher

Mit der Sonderausstellung von neun Stelen von Hans Aeschbacher wird für Biel eins neue Institution eröffnet.


Jährlich soll auf dem schön gelegenen, vom Stadtgärtner grosszügig konzipierten Platz an der Schüssmündung eine Ausstellung eines eingeladenen Plastikers stattfinden. Diesem wird die Gelegenheit geboten, eine grössere Gruppe von Werken in einem intensiv begangenen und genutzten, öffentlichen Raum zu zeigen.
In den Jahren, in denen die Plastikausstellung mit ihrer grossen Auswahl von jüngsten Werken stattfindet, kann z. B., wie in diesem Jahr veranstaltet, eine kleine Retrospektive stattfinden; in den Zwischenjahren jedoch sollten Künstler ihre neuesten Werkgruppen zeigen dürfen. Die Konfrontation mit dem Publikum wird dem Künstler wichtige Hinweise für die Rezeption seiner Arbeit geben. Anregend und aufschlussreich für ihn wird aber hauptsächlich die Aufstellung seiner Werke in einer neuen Umgebung sein.

Für die interessierten Kunstbetrachter und die Spaziergänger bietet sich die Gelegenheit, während eines Jahres mit diesen Skulpturen Kontakt aufzunehmen, unter Berücksichtigung der verschiedenen Beleuchtungen, klimatischen Verhältnissen, Jahreszeiten, persönlichen Stimmungen. Dass er einer Gruppe von Skulpturen begegnet und das über einen langen Zeitraum hinweg, versetzt den Betrachter in die Lage, tiefer in die Thematik und Problematik des Künstlers und dessen Werke einzudringen, allenfalls auch vorhandene Vorurteile abzubauen. Anderseits müsste der jährliche Wechsel der Ausstellungen Abnützungserscheinungen und der Gefahr des Nicht-mehr-zur-Kenntnis-Nehmens entgegenwirken.

Biel veranstaltet traditionsgemäss alle fünf Jahre eine schweizerische Plastikausstellung. Ist es da nicht logisch, eine Institution zu gründen, die der Plastik und dem Plastiker eine vermehrte und kontinuierliche Präsenz in dieser Stadt garantiert? Wir sind überzeugt, dass die neugeschaffene Institution zur Belebung der Anlage beitragen wird. Kultur zur Freude, zum Erleben, zum Studieren, zum Konsumieren, als Diskussionsanstoss oder ganz einfach als Präsenz soll es ab jetzt an der Schüss geben.

Mit Hans Aeschbacher wurde diese Ausstellung und die Auswahl der Werke vor seinem Tod besprochen. Der Künstler ist kürzlich 74-jährig gestorben. So wird die letzte von ihm geplante Ausstellung zu einer Gedenkausstellung. Wir haben Hans Aeschbacher, einen der bedeutendsten Schweizer Bildhauer, Lehrmeister vieler jüngerer Kollegen und über Jahrzehnte ein wichtiger Anreger, dessen Einflüsse überall abzulesen sind gebeten, mit seinen Arbeiten den Skulpturenplatz einzuweihen. Er hat sich bei der Auswahl auf in Stein gehauene Stelen und stelenartige Figuren beschränkt. An dieser in Biel gezeigten Werkgruppe lässt sich die Konsequenz einer Entwicklung aufzeigen: Der Weg Aeschbachers von den weiblichen Figuren in ihrer realen Fülle und prallen Schönheit zur Abstraktion als Fluss der Umrissformen bis hin zu den säulenförmigen, entkörperten, hochstrebenden Grat- und Kantenbündeln.

Die Einmaligkeit des Werkes von Hans Aeschbacher liegt sicher in der engen Beziehung zum Stein. Aeschbacher war immer bestrebt alle Anwendungsmöglichkeiten des Steins auszuschöpfen. Die Schwere des Materials hat ihn genauso fasziniert wie die Überwindung dieser Schwere. Und für die Fähigkeit, die Sinnlichkeit steinerner Oberflächen spürbar zu machen, gibt es in der zeitgenössischen Bildhauerei kaum ein besseres Beispiel als Aeschbachers «Venus Asylstrasse 23». Bei den Lavafiguren wird die Qualität der Materie zum Formprinzip, aus dem «Nach-Bilden» wird reines Bilden. Der Stein gibt verborgenes Leben preis. In den späteren der hier gezeigten Stelen kommen die Rippen, die «Lichtkanten-Saiten» zum Klingen. Aeschbacher versucht, das Lastende des Steins zu entschweren.

Nachdem Hans Aeschbacher an allen bisherigen schweizerischen Plastikausstellungen teilgenommen hat, freuen wir uns, dass seine Präsenz auch bei dieser gewahrt bleibt. Den Leihgebern sei für ihre Bereitschaft, ihre Werke für diese Ausstellung zur Verfügung zu stellen, herzlich gedankt.

Maurice Ziegler