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SPA Geschichte / 1980 / Ziegler/Tschumi: Introduction

Zur Ausstellung


Seit der letzten Schweizerischen Plastikausstellung in Biel sind fünf Jahre vergangen. Inzwischen hat sich die allgemeine Ausstellungstätigkeit enorm, gesteigert, und es macht manchmal den Anschein, dass sie schon fast inflationäre Merkmale aufweist. Die Bemühungen, Kunst möglichst attraktiv und konsumgerecht zu präsentieren, führen gelegentlich ins rein Spektakuläre.

Wie wird sich die SPA in dieser veränderten Landschaft ausnehmen? Indem wir gewissen Traditionen treu bleiben, ausdrücklich von der Persönlichkeit des Künstlers und von seinen Anliegen ausgehen, indem wir weiterhin den Rahmen der Ausstellung möglichst grosszügig bemessen und die Auswahlkriterien nicht kleinlich gehandhabt haben, hoffen wir, den besonderen Charakter der Ausstellung zu wahren.

Wir halten es für unsere wichtigste Aufgabe, den Künstlern eine Plattform zu verschaffen, auf der sie ihre neuesten, plastischen Werke - auch solche von grossem Ausmass - einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen können. Dass die Ausstellung diesen Zweck erfüllen wird, lässt sich schon an der Tatsache ablesen, dass die Hälfte aller beteiligten Künstler spezielle, auf diesen Anlass hin konzipierte Werke realisiert hat.

Für manche Plastiker bietet die SPA die Gelegenheit, neue Entwicklungen in ihrem Werk zu zeigen, für andere bedeutet sie die erste Begegnung mit einem grösseren Publikum. Für alle Teilnehmer wird es animierend sein, die eigenen Werke in fremder Umgebung und in Konfrontation mit den Arbeiten einer grösseren Anzahl von Kollegen zu sehen.

Den Besuchern aus der Schweiz und aus dem Ausland soll die Ausstellung eine grossangelegte Übersicht über das in den letzten fünf Jahren entstandene, plastische Schaffen in unserem Land vermitteln und die Möglichkeit bieten, neue Werke schon bekannter Künstler zu sehen und noch nicht bekannte Plastiker zu entdecken.

Von über 300 Künstlern wurden an die 1000 Arbeiten eingesandt. Es erfolgten keine direkten Einladungen.

Die Jury, bestehend aus vier Künstlern verschiedener Tendenzen und verschiedene Regionen repräsentierend und den beiden Ausstellungsleitern, hat 171 Werke von 120 Künstlern ausgewählt. Sie hofft, dadurch eine möglichst vielfältige und qualitativ vertretbare Auswahl zeigen zu können.

Etwa ein Drittel der ausgestellten Arbeiten weist sehr grosse, sogar monumentale Masse und Dimensionen auf. Der Hang zu grossen Dimensionen, der auch international zu registrieren ist, kontrastiert auffällig zu Entwicklungen in der Malerei, die eher zum Intimen zu tendieren scheinen.

Verglichen mit der letzten SPA 1975 erscheint uns interessant, dass wieder vermehrt in Stein und mit Holz gearbeitet wird. Kunststoff- und Betonplastiken sind seltener geworden. Auffallend viele Künstler benutzen natürliche Elemente, Bäume, Wasser, Luft und beschäftigen sich mit Umweltproblemen.

Zusätzlich zur SPA 1980 entsteht auf dem Bieler Strandboden - einer rege besuchten Anlage - ein ständiger Skulpturenplatz. Hier soll alljährlich einem Künstler Gelegenheit geboten werden, eine grössere Werkgruppe vorzustellen. Eingeweiht wird dieser Platz mit einer Retrospektive von Steinplastiken des kürzlich verstorbenen Bildhauers Hans Aeschbacher.

Der Kunstverein Biel hat zur Ergänzung und Erweiterung der Veranstaltung eine Zeichnungs- und Grafikausstellung aller beteiligten Künstler organisiert. Sicher trägt es zum besseren Verständnis der plastischen Werke bei zu sehen, wie der Künstler seine Visionen und Ideen im zweidimensionalen Rahmen bewältigt. Die Tatsache, dass viele Bildhauer hervorragende Zeichner sind, verleiht dieser Ausstellung ihren eigenständigen Charakter.

In Fortsetzung eines 1975 begonnenen Projekts, nämlich der Dokumentierung von «Kunst im öffentlichen Raum», wird auch in der diesjährigen Ausstellung dieses wichtige, der Plastik und dem «Environnement» eng verbundene Thema mit einigen Beispielen vertreten sein. U.a. werden die Resultate des schweizerischen Wettbewerbs für den künstlerischen Schmuck des neuen Gymnasiums ausgestellt. Die Arbeiten der Künstler in der Berufsschule, die 1975 als Projekte vorgestellt wurden, sind im Begriff fertigerstellt zu werden und sind schon jetzt öffentlich zugänglich.

Eine Gruppe von Künstlern wird während der Ausstellung in Freiluftateliers arbeiten oder auf dem Ausstellungsgelände Aktionen durchführen und auf diese Art den Kontakt mit den Besuchern der Ausstellung ermöglichen.

Intensiver als während der vergangenen Ausstellungen versuchen wir in diesem Jahr, auf die Bedürfnisse des breiten Publikums und auf die Situation Biels einzugehen. In einer einfach gestalteten «Schule des Sehens» kann der interessierte Besucher einige elementare Regeln über den Umgang mit Plastiken in Erfahrung bringen.

In Zusammenarbeit mit der städtischen Abteilung für Kulturelles und mehreren Bieler Organisationen die im kulturellen Bereich tätig sind, wurden Rahmenveranstaltungen organisiert, welche die Ausstellung bereichern und eine enge Verbindung zum Kulturleben der Stadt herstellen.

Projekte zum Thema «Wir leben in unserer Stadt» wurden auf die Ausstellung hin von einer grösseren Anzahl Schulklassen der Stadt Biel bearbeitet. Wir hoffen, anhand dieser Projekte Schüler und Eltern auf Probleme ihrer täglichen Umgebung aufmerksam zu machen und die Kreativität der Stadtbewohner anzuregen.

Schon in der letzten Plastikausstellung 1975 konnten verschiedene, die Wohnlichkeit der Stadt betreffende Projekte (Fussgängerweg an der Mühlebrücke, parkplatzfreie Altstadt-Plätze) realisiert werden. Auch dieses Jahr bemühten wir uns, mit der Hilfe von Künstlern städtebauliche Veränderungen vorzuschlagen und durchzuführen, um so den Beweis anzutreten, dass sich künstlerische Ideen und Arbeiten einen Einfluss auf die unmittelbare Lebensqualität haben können. Unsere Hoffnung auf die Verwirklichung eines vom Stadtgärtner angeregten Projekts die südlich der Neuhaus-Stiftung gelegenen Gärten mit wenig Aufwand dem Publikum als Park- und Erholungsanlage zugänglich zu machen, blieb leider unerfüllt. Auch unser Vorschlag im Zusammenhang mit der diesjährigen Plastikausstellung einen Wettbewerb für die Gestaltung und Erhaltung des in der Schweiz inzwischen wohl einzigartigen Bieler Bahnhof Platzes zu veranstalten, wurde zwar mit Interesse aufgenommen, zu unserem grossen Bedauern jedoch auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Wir hoffen sehr, dass dieser für die Stadt bedeutende Platz in seiner ursprünglichen Funktion erhalten bleibt.

Erfreulicherweise konnten dank der grosszügigen Hilfe der Direktion der HTL und der Stadtverwaltung sowie der Neuhaus-Stiftung und des Lyceum Clubs unentbehrliche Innenräume für die Ausstellung bereitgestellt werden.

Den Organisatoren der Ausstellung ist es ein besonderes Anliegen, mit der SPA dem Publikum ein eindrückliches Bild von der Vielfalt und hohen Qualität des plastischen Schaffens in der Schweiz zu vermitteln, und es ist den zum grossen Teil enormen Einsätzen der beteiligten Künstler zu verdanken, dass dieses Ziel auch 1980 realisiert werden kann.

Maurice Ziegler / Alain Tschumi, künstlerische Leiter SPA