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SPA Geschichte / 1980 /

7. Schweizer Plastikausstellung Biel 1980
31. Mai bis 24. August



film: Jürg Egli und Urs Küng — www.analyze.ch



Vorwort

Robert Aeschbacher

Nach fünf Jahren Pause realisiert Biel heuer seine 7. Schweizerische Plastikausstellung. Diese grösste eidgenössische Schau bildhauerischen Schaffens, der Raumkunst, ist zu einer kaum mehr wegzudenkenden Institution geworden und darf wohl bereits Anspruch auf Tradition erheben.


Tradition verpflichtet. Der Verpflichtung unterliegen Öffentlichkeit und Künstler, Kunstwerk und Betrachter. Alle sind auf ihre Weise aufgerufen, ihren Anteil am Gesamtwerk wahrzunehmen; selbst dann, wenn Gewichte, scheinbar einseitig, verschoben werden. Weil jede Kunst gewissen Eigengesetzen folgt, braucht sie zu ihrer Realisierung einerseits völlige Unabhängigkeit und andererseits öffentliche Unterstützung, Freiheit in eigener Verantwortung und gesellschaftliche Förderung. Erst so kann sie sich voll entfalten, und sie wird zurückgeben, was ihr gewährt wurde.


«Kunst ist tot.» «Es lebe die Antikunst.» Solche Schlagworte prangten unlängst von den Wänden renommiertester Kunststätten herab, derweil im Innern die präsentierte Kunst durchaus ernst genommen werden wollte. Nun sind aber Kunst und Kunstwerk spezifisch menschliche Leistungen. Solange es den Menschen gibt, solange gibt es auch die Kunst. Dass sie als Zugpferd vor allerlei und gelegentlich zweideutige Karren gespannt wird und dass sie in vielen und verschiedenen Sprachen zu uns redet, ist ebenso menschlich wie legitim. Niemals aber enthebt sie ihren Schöpfer, den Künstler, des Strebens nach Ehrlichkeit und der Suche nach Wahrhaftigkeit. Das Kunstwerk müsste also über die technische und handwerkliche Arbeit hinaus Ausdruck einer menschlichen und sozialen Leistung und einer zwischenmenschlichen Beziehung sein. Mit-Teilung also. Erst so wird die Kunst für uns zur notwendigen Kraft, zum Stimulans, zum Kompass nach vielen, bekannten und neuen Orten.


Auch diese 7. Plastikausstellung möchte solcher Kommunikation dienen und Mittlerin sein zwischen beiden Polen; zwischen Künstler und Besucher, zwischen Kunstwerk und Fragesteller, zwischen Gewährenden und Bittenden. Nicht zuletzt ist eines ihrer Anliegen, den abseits Stehenden an diesem Prozess zu beteiligen. Er sollte ihm Wege des Schauens öffnen und ihm Unbewusstes zugänglich machen. Die Schau soll damit einen Auftrag erfüllen, der - wenn er gelingt - zugleich auch Abstattung des Dankes sei: an die Stadt Biel für ihre personelle und materielle, organisatorische und administrative Hilfe; an die kantonalen und eidgenössischen Behörden für ihr stetes Entgegenkommen; an die Grosszügigkeit der so zahlreichen privaten Geldgeber; an die beiden Ausstellungsleiter Maurice Ziegler und Alain Tschumi und ihre vielen Mitarbeiter; an die Künstler, deren Einsatz und Arbeit damit gekrönt werden möge.

Robert Aeschbacher