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SPA Geschichte / 1966 /

Einführung

Justus Imfeld


Zum vierten Mal hat Biel nun schon die Ehre, eine Übersicht über den aktuellen Stand der Schweizer Skulptur zu vermitteln. Diese vierjährliche Gesamtschau ist für viele zur Selbstverständlichkeit geworden; in regelmäßigen Intervallen kann man das plastische Schaffen der Schweiz überblicken, die Strömungen und Tendenzen miterleben, welche unablässig die Kunst wandeln, das Werden — und auch das Vergehen — der Künstler verfolgen. Man hat sich daran gewöhnt, daß Biel alle vier Jahre zum Brennpunkt der plastischen Kunst geworden ist, wo die Schweiz auf überschaubarem Platz darlegt, wie sie auf künstlerische Weise Raum und Materie in bewegter Zeit bewältigt.

Die Ausstellung ist ein Unternehmen geworden.

Und sie ist doch immer ein Abenteuer geblieben.

Sie war reines Abenteuer, als Marcel Joray mit einer Handvoll Getreuer vor zwölf Jahren die erste Schau ins Leben rief. Nie vorher war das Schweizer plastische Kunstschaffen vereint worden, man wußte wenig, ob es eine «Schweizer» Plastik überhaupt gab, man kannte nur einzelne Künstler; man wußte kaum etwas über Strom und Bewegung, über Beziehung dieser Kunst zum großen und kleinen Weltgeschehen. Man wußte noch weniger über Budget und amwenigsten über das Endresultat.

Jetzt wissen wir, daß die Ausstellung ein Erfolg war, der mit jeder folgenden Schau immer größer wurde. Wir wissen, daß es keinen nationalen Stil gibt, sondern daß unsere plastische Kunst ein Spiegelbild der freien Welt ist, eine Kunst, welche in voller Freiheit das Weltgeschehen in feinster Reaktion in ihrer spezifischen Sprache formuliert.

Wir verdanken diese Einsicht Marcel Joray, der mit nie erlahmender Energie diese Ausstellungen geleitet hat, der mit allen Schwierigkeiten fertig geworden ist, und der auch die jetzige Schau mit seinem unverwüstlichen Optimismus geschaffen hat. Es ist sein Werk, daß der Name Biels mit der neuen Plastik untrennbar verbunden ist, und Biel weiß ihm Dank dafür.

Das Abenteuer der ersten Ausstellung gehört der Vergangenheit an, aus der Handvoll Getreuer ist ein Unternehmen geworden — und doch ist das Abenteuer geblieben. Wie haben die Künstler die vergangenen vier Jahre genutzt, was ist in den geheimnisvollen Ateliers entstanden? Welche Ideen, welche Formen, welche Dimensionen, welche Materialien werden in Biel dominieren? Wie wird die Gegenübersteilung von Zeit und Werk ausfallen, wohin führt der Weg der Zukunft? Bis die Tore der Schau geöffnet werden, ist keine Voraussage möglich, das Abenteuer des ewig Neuen bleibt weiter bestehen.

Es brauchte viele Helfer, um diese Schau zu verwirklichen, und es ist mir ein Bedürfnis allen zudanken, welche dazu beitrugen, daß einmal mehr dem Nutzlosen, dem Spielerischen und Schönen ein so großer Platz in unserer Stadt eingeräumt werden konnte;
ich danke vor allem den Künstlern, welche die Werke schufen und schickten;
den Behörden der Stadt, welche in großzügiger Weise Kongreßhaus und  Park, aber auch Baumaschinen, Handwerker, Arbeiter und Gärtner zur Verfügung stellten, und Gelder bewilligten;
den Behörden von Bund und Kanton, welche finanziell halfen und helfen;
den vielen Bürgern aus Handel und Industrie, welche durch große freiwillige Spenden das  Budget ausglichen;
den unzähligen freiwilligen Mitarbeitern, Architekten, Bankiers, Künstlern, Baufachmännern und Presseleuten; 
dem Verkehrsbüro Biel samt seinen Sekretärinnen.


Justus Imfeld